Xaver Weiß in Partnerarbeit mit einem Teilnehmer

Begabtenförderung an der Carl-Helbing-Schule – Schüler besuchte die Deutsche Schülerakademie

Xaver Weiß, Schüler des Profils „Internationale Wirtschaft“ des Wirtschaftsgymnasiums an der Carl-Helbing-Schule in Emmendingen, durfte für zwei Wochen an der Deutschen Schülerakademie teilnehmen. Im Interview erklärt er, was es damit auf sich hat.

Was ist die Deutsche SchülerAkademie?
Xaver Weiß: Die Deutsche SchülerAkademie ermöglicht besonders motivierten und leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an einem zweiwöchigen Förderprogramm. Dort beschäftigt man sich mit recht anspruchsvollen Inhalten, die man aus einem Kursprogramm vorab selbst auswählen darf. Daneben nimmt man an Exkursionen und vielfältigen weiteren Angeboten, z. B. aus den Bereichen Sport und Musik, teil.

Wie bist Du zur Deutschen SchülerAkademie gekommen?
Meine Lehrerin für Betriebs- und Volkswirtschaftslehre hat mich angesprochen und gesagt, dass das etwas für mich sei. Sie hat mir eine Referenz geschrieben, mit der ich mich beworben haben. Nach einem Interview, auf das sie mich vorbereitet hat, bin ich dann ausgewählt worden. Etwas Glück gehört natürlich auch immer dazu.

Hast Du Dich auf die Akademiezeit vorbereitet?
Ja, für meinen Kurs war es essenziell, mich etwas mit der Programmiersprache Python vertraut zu machen. Das bedeutete, dass ich über eine Internetplattform Kurse mit Abschlussaufgaben absolvieren musste. Den selbst erstellten Code hat man dann seinen Kursleitern zur Kontrolle per E-Mail zukommen lassen. Das ist aber natürlich nicht der Regelfall. Je nach Kurs wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedliche Aufgaben, wie beispielsweise das Bearbeiten von Texten, verlangt. Meine Lehrerin hat mir zur Vorbereitung auch ein Lektürepaket zusammengestellt. Man kann also sagen, dass man zur zusätzlichen außerunterrichtlichen Vorbereitung bereit sein muss.

Wie warst du untergebracht?
Ziemlich gut, nämlich in einer alten Klosteranlage bei Urspring. Auf dem großen Areal gab es auch ein Fußball- und Volleyballfeld sowie eine voll ausgestattete Sporthalle. Die Zimmer und das Essen waren auch prima.

Wie wird so etwas finanziert?
Das ist unterschiedlich. Aber an der Carl-Helbing-Schule wird die Begabtenförderung wohlwollend vom Förderverein der Schule bezuschusst, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen. Am Geld scheitert es also nicht.

Worum ging es in Deinem Kurs?
Ich habe den Kurs “Mit Mathe und Bio Krebs verstehen” gewählt. Geleitet wurde mein Kurs von einem jungen studierten Physiker und einer studierten Biologin. Im naturwissenschaftlichen Teil beschäftigten wir uns mit dem sogenannten “Hallmarks of Cancer”, also den Kennzeichen von Krebs. Hierbei arbeiteten wir sehr viel mit Papers (wissenschaftliche Ausarbeitungen), welche auf Englisch und in biologischer Fachsprache verfasst waren. In diesem Teil wurde sehr viel selbstständig oder in Gruppen gearbeitet und die Ergebnisse meist in Kurzpräsentationen vorgestellt.

Der mathematische Teil wurde jedoch überwiegend durch die Kursleitung angeleitet, da es hier sehr anspruchsvoll war, aufeinander aufbauende Prozesse abzuschließen. Es ging darum, die Erkenntnisse aus der Biologie in die Mathematik zu überführen und diese dann mit Hilfe der Programmiersprache Python in graphischen Modellen darzustellen. Beispielsweise lernten wir, unter welchen Bedingungen und mit welchen Wahrscheinlichkeiten sich eine Krebszelle verbreitet. Diese Erkenntnis übernahmen wir dann in einen Programcode und veranschaulichten dies anschließend in einem digitalen Schachbrettmuster, auf welchem zu sehen war, wie Krebszellen den Platz der gesunden Zellen einnehmen.

Das hört sich anspruchsvoll und anstrengend an. Wie war denn Dein Tagesablauf? Habt Ihr auch andere Sachen unternommen?
Ja, das Programm war schon recht fordernd. Nach morgendlichem Sport und Frühstück begann das Arbeiten im Plenum, in dem die täglichen Nachrichten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentiert wurden und alles Wichtige für den Tag besprochen wurde. Dann wurde bis Mittag in den Kursen gearbeitet. Nachmittags beteiligte man sich an kursübergreifenden Angeboten, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst angeboten wurden. Politikinteressierte konnten so z. B. zu bedeutsamen Themen debattieren. Insgesamt war das Interesse an Politik sehr ausgeprägt. Am Nachmittag wurde die Arbeit in den Kursen fortgesetzt. Am Abend stand erneut die Teilnahme an kursübergreifenden Angeboten auf dem Programm. Nach dem Abendessen wurde bis weit nach Mitternacht in der Bibliothek und dem Ganztageszentrum weitergearbeitet. In der SchülerAkademie hatten einfach alle Spaß an der Arbeit und haben nicht auf die Uhr geschaut. Aber natürlich haben wir an einzelnen Tagen auch andere Dinge gemacht. Ich habe mich z. B.an einer Wanderung zum Blautopf bei Blaubeuren beteiligt. Ein Freund und ich sorgten über eine Musikbox für Stimmung. Musik ist dort ohnehin ein großes Thema. Es wurde viel gesungen und musiziert. Am Ende gab es auch ein großes Abschlusskonzert der Teilnehmenden.

Wie war die Atmosphäre an der Deutschen SchülerAkademie?
Natürlich herrschte in der Akademie ein besonderes Klima, da hier viele besondere Individuen aufeinandertrafen. Wissensdurst und das Bedürfnis, sich auszutauschen, Themen tiefergehend zu diskutieren, prägten die Atmosphäre. Bereichert wurde das Ganze durch einige Schülerinnen und Schüler, die direkt von Privatschulen aus dem Ausland (Südafrika, Brasilien) angereist waren, was ich so noch nicht erlebt hatte. Weiterhin war es sehr interessant, sich mit Schülern und Schülerinnen aus anderen Bundesländern auszutauschen. Hier wurde auch wieder das auffallend große Interesse an Politik deutlich. Auch das Verhältnis zur Akademieleitung (AKL) war kein typisches Lehrer-Schüler-Verhältnis. Vielmehr befanden sich einige unserer Dozenten noch selbst im Studium und waren teilweise in meinem Alter. Dies führte zu einem besonders entspannten Miteinander.

Hast Du selbst auch einmal ein kursübergreifendes Angebot vorgestellt?
Ich bin, ohne unbescheiden wirken zu wollen, sehr gut im Erstellen von PowerPoint-Präsentationen und hatte gemerkt, dass bei einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Nachhilfebedarf bestand. Also organisierte ich an zwei Tagen einen Kurs zunächst für Anfänger und dann für Fortgeschrittene, in denen wir gemeinsam die Anwendung und Besonderheiten des Programms erarbeiteten.

Was macht Ihr mit den Ergebnissen, die Ihr in der Akademie erarbeitet habt?
Die Arbeitsergebnisse wurden aufwändig dokumentiert und erscheinen demnächst in Buchform.

Wie geht es weiter, hast du noch Kontakt zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern?
Über eine WhatsApp-Gruppe stehen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch in Kontakt und tauschen sich regelmäßig aus. Weiterhin habe ich gute Freundschaften geschlossen und am Wochenende sogar Besuch von einem Teilnehmer aus Heilbronn gehabt, mit dem ich mit weiteren Teilnehmern einen schönen Tag in Freiburg verbracht habe. In einem Club der Ehemaligen kann man sich ebenfalls zusammenfinden und Nachtreffen sowie neue Akademien organisieren.

Wie würdest Du Deine Teilnahme an der Deutschen SchülerAkademie abschließend beurteilen?
Die Kursarbeit machte sehr viel Spaß, war aber zum Teil auch sehr fordernd. Durch die zahlreichen und selbst gestalteten Freizeitangebote wurde jedoch ein guter Ausgleich geschaffen. Durch die individuelle Gestaltung der kursübergreifenden und sonstigen Angebote durch die Schülerinnen und Schüler wurde ein sehr angenehmes Lernklima geschaffen. Wir waren also die Regisseure des Films, der ablief. So ist Lernen noch interessanter. Daneben waren selbstverständlich die vielen Kontakte zu neuen interessanten Menschen sehr bereichernd. Ich konnte mich über viele spannende Themen austauschen, für die man sonst nur schwer einen Gesprächspartner findet. Es war auch ein gutes Gefühl, selbst als Dozent vorne zu stehen und anderen etwas beibringen zu können. Die Akademie würde ich grundsätzlich jedem empfehlen, der sich im Gymnasium etwas unterfordert fühlt und nach neuen Herausforderungen sucht. An der Deutschen SchülerAkademie teilzunehmen ist ein einzigartiges Erlebnis, das man nicht vergessen wird. Toll, dass es so etwas gibt.

Foto: Xaver Weiß in Partnerarbeit mit einem Teilnehmer